EUROFILMER
Europäischer Autorenkreis für Film und Video e. V.
European Film & Video Makers Circle

Ein neues Gesicht bei den Eurofilmern

Wolfgang Schydlo sprach mit Ekkehard Christoffels, dem Gewinner des Goldenen Filmbands mit seiner Satire „Ins Gras beißen“.

Zunächst herzlichen Glückwunsch zu deinem tollen Ergebnis. Dein Film „Ins Gras beißen" erhielt eine Goldmedaille und als bester Film das Goldene Filmband. Der Film ist eine böse Satire auf das Zusammenleben eines Ehepaares in den mittleren Lebensjahren. Der Protagonist - ein Anwalt und Insolvenzverwalter - droht seiner Frau am Telefon, dass er sie fertigmachen werde, sollte sie ihn verlassen. Die Frau ist mit dem Auto unterwegs, derweil ihr Mann im heimischen Garten eine Herzattacke erleidet und auf den Rasen fällt. Der an einem Band laufende Rasenmäher kommt immer näher, droht ihn zu überrollen. Verzweifelt fleht er, dass seine Frau nach Hause kommt. Diese, inzwischen auf dem Grundstück angekommen, sieht ihre Chance, sich von ihrem Ehemann zu befreien. Sie wartet, bis der Rasenmäher ihren Mann tötet. Dann ruft sie den Rettungswagen und berichtet von einem tragischen Unfall. Mit sich selbst im Reinen schaut sie auf ihr Ultraschallbild, denn sie erwartet ein Kind.

Ekkehard Christoffels gibt Auskunft über sich und seinen bemerkenswerten Film.

Wolfgang Schydlo:
Hast Du etwas gegen erfolgreiche Anwälte, die sich ein luxuriöses Leben mit Ehefrau leisten können?

Ekkehard Christoffels:
Überhaupt nicht! Aber dieser Anwalt ist nur beruflich erfolgreich, privat entlarvt er sich als eine sehr ärmliche Kreatur.

Wolfgang Schydlo:
Bei diesem Ehepaar spielen Geld und Luxus eine große Rolle. Die Frau fährt mit dem Cabrio einkaufen, der Ehemann treibt als Zigarre rauchender Insolvenzverwalter das Geld ein. Warum spielt Dein Film in der vermeintlichen High Society?

Ekkehard Christoffels:
Das Spannungsmoment resultiert daraus, dass der Film im Milieu der Reichen angesiedelt ist. Der Film zeigt die Ehefrau in totaler Abhängigkeit von ihrem finanziell erfolgreichen Ehemann, - ein absolut ungleiches Verhältnis. Plötzlich ergibt sich für die Frau die Chance, den Ehemann - das Ekel - für immer los zu werden und den ganzen Luxus ohne Kompromisse genießen zu können. Das Publikum ist fast ausnahmslos auf Seiten der Mörderin – das war zwar beabsichtigt, ist aber hinsichtlich unseres Rechtsempfindens zu mindestens bemerkenswert.   

Wolfgang Schydlo:
Wie bist Du auf die Idee zu diesem Film gekommen?

Ekkehard Christoffels:
So wie der Rasenmäher im Film den Rasen mäht, so mähe ich das Gras auch normalerweise. Das heißt, ich brauche nicht hinter dem Mäher herzulaufen. Ich kann zusehen, wie der Mäher seine Kreise zieht. Währenddessen habe ich genug Zeit, mir Geschichten auszudenken. In diesem Film sollte dem Rasenmäher eine entscheidende Rolle zufallen.

Wolfgang Schydlo:
Drehbuch und filmische Umsetzung sind brillant. Die Einstellungen sind sauber, die Nahaufnahmen gehen unter die Haut. Es stimmt einfach alles bis ins Detail, z.B. die Farbsymbolik rot, die Erdbeeren, der Lippenstift. So ein Film ist das Ergebnis präziser Überlegungen und eines Teams, welches das alles auch umsetzen kann. Wie wurde gearbeitet? Was konkret ist Dein Anteil an dieser Teamleistung?

Ekkehard Christoffels:
Die Vorbereitung des Films hat etwa 1 Jahr gedauert. In dieser Zeit habe ich das Drehbuch geschrieben, die Schauspieler gesucht und Technik sowie Requisiten organisiert. Guten Freunden habe ich immer wieder meine Geschichte erzählt und dabei festgestellt, wo ich noch nacharbeiten musste. Wichtig war mir eine adäquate Bildgestaltung. Da hatte ich mit Tobi Linden, meinem Kameramann, einen idealen Partner. Die Postproduktion (Color Grading / Ton) war nervenaufreibend. Das hatte ich etwas unterschätzt.
Grundsätzlich war mein Anspruch, alle Arbeitsschritte bei der Entstehung meines ersten Films weitgehend selbst in der Hand zu haben, damit ich erkenne, wo die Schwierigkeiten im Detail liegen. Ich habe dabei extrem viel gelernt und verstehe jetzt die jeweiligen Aufgaben im Entstehungsprozess eines Films wesentlich besser. Bei meinem nächsten Film möchte ich gerne einige Aufgaben abgeben und wünsche mir mehr Teil eines Teams zu sein. Drehbuch und Regie sind die Aufgaben, auf die ich mich bei meinem weiteren Filmschaffen konzentrieren möchte.

Wolfgang Schydlo:
Beruflich hast Du mit der Filmerei nichts zu tun. Du arbeitest als Bauingenieur und Umweltwissenschaftler. Wie wurde dieser Film finanziert und wie bist du zu Deinen Mitarbeitern gekommen?

Ekkehard Christoffels:
Über das Filmhaus in Köln habe ich Kontakte zu Mitwirkenden in meinem Film gefunden. Außerdem hat mir die Internet-Plattform „Crew United“ bei der Suche nach Mitstreitern geholfen. Auf Kleinkunstbühnen und im Theater habe ich Ausschau nach meinen Schauspielern gehalten. Die Finanzierung musste ich leider alleine stemmen.

Wolfgang Schydlo:
Welche weiteren Filmpläne hast Du?

Ekkehard Christoffels:
Zurzeit schreibe ich das Drehbuch für meinen nächsten Film. Es wird wieder ziemlich makaber zugehen. Also, ich bleibe vorerst der bösen Satire treu. Damit bin ich noch nicht fertig!

Wolfgang Schydlo:
Ich danke Dir für das Gespräch. Wir erwarten Deinen nächsten Film, der sicherlich wieder hervorragend sein wird!

 

             Ekkehard Christoffels