EUROFILMER
Europäischer Autorenkreis für Film und Video e. V.
European Film & Video Makers Circle

Vorgestellt: Werner Scheffknecht

Wolfgang Schydlo berichtet von seinem Gespräch mit Werner Scheffknecht  über dessen beide Filme, "Ehe noch das Laub fällt" und "Voradlberg".
Beide Filme erhielten eine Silbermedaille, letzterer zusätzlich einen Sonderpreis für eine humorvolle Umsetzung eines Musikvideoclips.

Wolfgang Schydlo:
Deinen Film „Ehe noch das Laub fällt" verstehe ich nicht nur als einen Film, der den Wahnsinn des Krieges in eindringlichen Bildern zeigt. Es geht mehr um die Wahrheit des Politikers. Und damit um ein höchst aktuelles Thema. Was hat dich bewogen, diesen Film zu machen?

Werner Scheffknecht:
Die Idee stammt von dem Musiker John Gillard, der auf die Aussage „Ihr werdet wieder zu Hause sein, ehe das Laub von den Bäumen fällt“ von Kaiser Wilhelm II. gestoßen war. John hat im vergangenen Jahr anlässlich der 100. Wiederkehr des Endes des ersten Weltkriegs ein Konzert gegeben und dieses Video, das mit seiner Eigenkomposition unterlegt ist, als Einleitung präsentiert. Für mich galt es nun, die Idee bildmäßig umzusetzen – die fallenden Blätter, das Bildmaterial, die Aufnahmen auf den Soldatenfriedhöfen in Flandern. Nach dem Bildmaterial haben wir sehr lange gesucht, bis John im „Flanders Field Museum“ in Ypres in einem riesigen Archiv diese beeindruckenden Fotos entdeckt hat. Ein Projekt gegen den Krieg und das Vergessen.

Wolfgang Schydlo:
Der Film besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil zeigt Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Krieg; Blätter rieseln herab, dadurch wird die Verbindung zur Überschrift hergestellt. Im zweiten Teil zeigen dann Filmaufnahmen das Ergebnis der Lügerei: Friedhöfe und Figuren in Belgien und Deutschland. Bei Filmern ist ja umstritten, viele Fotos in einen Film unterzubringen. Es heißt dann: Das ist ja mehr eine Diaschau. Wie siehst Du selbst den Zusammenhang von Film und Foto?

Werner Scheffknecht:
In erster Linie war es schwierig, Filmmaterial über den ersten Weltkrieg zu bekommen, zudem wären wir mit den Filmrechten in Konflikt gekommen. Die Fotos sind als stehende Bilder ausdrucksstark genug, zudem gibt es Bewegung durch die fallenden Blätter. Auch schaffen die leichte Animation der Bilder und die Schrifteinblendungen genügend Dynamik.

Wolfgang Schydlo:
Bei beiden Filmen fällt auf, dass die Musik eine tragende Rolle spielt. In „Ehe noch das Laub fällt" wird die düstere Atmosphäre durch Bass, Drums, Trompete und Flügelhorn erzeugt. Und in „Voradlberg“ setzen die Einstellungen den ohnehin lustigen Liedtext und die volkstümliche Musik witzig um. Wer sind die Leute, die dir diese perfekten Soundtracks liefern? Wie bist Du auf sie gestoßen? Wie arbeitet ihr zusammen?

Werner Scheffknecht:
Die vierköpfige Band (keine Profis) unter Leitung von Alexander Engstler spielt schon viele Jahre in privatem Umfeld. In dieser Zeit entstanden einige Eigenkompositionen von Alexander, deshalb entschloss sich die Gruppe, eine CD aufzunehmen. Und zu jeder CD gehört auch ein Musikvideo. So kam Alexander auf mich zu, mit der Frage, ob wir nicht zusammen dieses Video drehen könnten.
Ich bekam den Text und machte daraus einen ersten Entwurf zu einem Drehbuch.
Dieses verfeinerten wir gemeinsam, suchten die Locations und arbeiteten den aufwändigen Drehplan aus. Ein Kollege aus dem Club machte die zweite Kamera, auch einen Drohnenpiloten konnten wir gewinnen.

Wolfgang Schydlo:
Welche Bedeutung hat die Musik in deinem Privatleben und bei deinem Hobby: Filmen?

Werner Scheffknecht:
Ich spiele Gitarre, besuche bei John Billard (siehe oben) öfters Kurse. Daraus hat sich eine kleine Gruppe formiert, die sich auch neben den Kursen trifft, aus Spaß an der Freude. Auch mit John gab es kleinere Projekte, z. B. Straßenmusik für einen guten Zweck.
Für mein Hobby Film hat die Musik einen hohen Stellenwert: Der Ton wird bei uns meistens vernachlässigt. Sei dies ein schlechter O-Ton oder die falsche Musik, um das Bild zu unterstützen, ich sehe hier noch Potential. Daran arbeite ich und versuche, mich zu verbessern.

Wolfgang Schydlo:
Ich danke dir für das Gespräch.


Wolfgang Schydlo