EUROFILMER
Europäischer Autorenkreis für Film und Video e. V.
European Film & Video Makers Circle

"Sand drüber"

- ein Film über die Diamantsuche in Afrika zu Kaisers Zeiten.

Wolfgang Schydlo interviewte das Autorenpaar Heidi und Wolfgang Weithöner beim Euro-Filmfestival in Harsefeld, wo der Film eine Bronzemedaille erhielt.

Wolfgang Schydlo:
Man merkt eurem Film an, dass ihr bei eurem Besuch von Kolmannskuppe erstaunt wart, so viele Zeichen einer einst blühenden Diamantmine zu finden. Wie entstand der Gedanke, aus den Eindrücken einen Film zu machen?

Heidi und Wolfgang Weithöner
Es ist schon im wahrsten Sinne des Wortes erstaunlich, wenn man in der unendlichen Weite der Sandwüste die grauen Häuser von Kolmannskuppe stehen sieht, die auf den ersten Blick noch fast alle in einem äußerlich recht guten Zustand erscheinen.

Da wir in einer kleinen Reisegruppe unterwegs waren und unsere Reiseleiterin uns im Vorwege schon über die Diamantenstadt Kolmannskuppe einiges erzählt hatte, waren wir schon ein wenig auf die geschichtliche Vergangenheit vorbereitet. Das Ausmaß, die tiefen historischen Hintergründe und Verknüpfungen mit dem damaligen Kaiserreich und seinen kolonialen Verbindungen waren uns jedoch nicht so detailliert bewusst. Erst als wir durch die örtliche Führung Einzelheiten und Hintergründe des damaligen Diamantenbooms erfuhren, konnten wir uns in etwa vorstellen, welch ein Fieber die Menschen damals ereilte, als sie kniend durch den Sand robbten und die glitzernden Steine nur einzusammeln brauchten, um für ihr Leben ausgesorgt zu haben. Es war eine aufwendige Organisation und Logistik notwendig, um aus diesem anfänglichen „Einsammeln“ von Diamanten eine Diamantenstadt aufzubauen. Und das alles in einer Umgebung, in der sich eine geordnete Infrastruktur in keiner Weise anbot. Man hatte den Menschen dort zu jener Zeit alles geboten, um ihnen ein Leben wie in ihrer Heimat in Deutschland zu ermöglichen. Eine schier unglaubliche Leistung. Soweit zur Geschichte dieser Stadt und zur Motivation, einen Film davon zu machen.

W. Schydlo:
Welche Schwierigkeiten ergaben sich bei der Umsetzung vor Ort und hinterher daheim?

H.u.W.Weithöner:
Hieraus einen geordneten Film zu machen, kam uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht in den Sinn. Wir hielten jedoch alles, was wir filmen konnten für unseren Reisefilm über Namibia fest. Aber wie das so ist, kam uns der Gedanke, aus dem gedrehten Material einen separaten Film zu machen, und zwar als wir den Ort des Geschehens schon verlassen hatten, nämlich zu Hause am Schneidetisch. Und nun merkten wir, jeder Filmer kennt das, hier hätten wir noch eine Nahaufnahme benötigt und dort wären noch einige Details notwendig. Man filmt alles nur Erdenkliche und dennoch fehlt am Ende immer noch eine Aufnahme beim Schnitt. Auf der anderen Seite war es vor Ort auch aus Sicherheitsgründen nicht möglich, in alle Gebäude hinein  und an alle Stätten heran zu kommen. Bei der Erstellung des Filmes fehlte natürlich einiges  geschichtliche Bildmaterial, was den Film auch als Film letztendlich ausmacht. Somit mussten wir Archivmaterial nutzen. Bei weiteren Recherchen  stießen wir dann auch in Schleswig-Holstein im Sönke Nissen Koog auf Verbindungen zur Kolmannskuppe.

W. Schydlo:
Ihr habt entschieden, die Textpassagen selbst zu sprechen. Obwohl ihr wisst, dass es für gesprochenen Text auch Profis gibt. Warum habt ihr das als Ehepaar bewusst so gemacht?

H.u.W.Weithöner:
Wir machen seit Jahren Reisefilme, die wir auch öffentlich zeigen, und wir haben von Beginn an immer unsere Textpassagen selbst gesprochen, anfangs nur mit einer Stimme, später zu zweit. Das Feed back war immer positiv, weil es den Film authentischer macht. Wir waren vor Ort, wir haben das gesehen und erlebt und das wollen wir dann auch so wiedergeben.

W. Schydlo:
Man kann sagen, euer Film steht für einen klassischen Amateurfilm: Reiseeindrücke zentrieren sich auf ein Thema und werden visuell umgesetzt und mit recherchiertem Text unterfüttert. Ihr habt das gut gemacht, seid beim Thema geblieben und habt dort, wo nötig, auch mit Fotos gearbeitet. Angenommen, ihr würdet mit eurem Wissen des Ortes noch einmal Kolmannskuppe besuchen, würdet ihr euren Film anders machen? Oder: Was würdet ihr ändern, damit der Film in der Bewertung noch mehr nach vorne rutscht?

H.u.W.Weithöner:
Der Film ist eine Dokumentation. Der Ort des Geschehens ist begrenzt und die Hintergründe im Film beleuchtet.. Wenn wir noch einmal dort hinkämen, würden wir sicherlich versuchen, gezielt mehr Details zu bekommen und zu filmen. Man hätte dann auch eine Art Drehbuch für den Film, entweder vorbereitet oder im Kopf. Fehlende geschichtliche Hintergründe müssten nach wie vor archivarisch beigebracht werden. Ich könnte mir vorstellen, dass der Film dann hier und dort etwas runder erscheinen würde.

W. Schydlo:
Ich danke euch für eure bereitwillige Auskunft und gratuliere euch zu eurem Film!


Wolfgang Schydlo